Ernst Jakob Hesdörffer – Bruder

Geburtsdatum:
18-04-1926

Geburtsort:
Bad Kreuznach

Todesdatum:
28-Feb-1943

Todesort:
Auschwitz

Der Name der Mutter:
Johanna Hesdörffer, geb. Joseph

Name des Vaters:
Karl Hesdörffer

Letzte Adresse in Deutschland:
Bad Kreuznach, Baumgartenstr. 44



Heinz und Ernst Hesdörffer vor der Haustür in der Baumgartenstr. 44 in Bad Kreuznach.







1. Schultag von Ernst im Jahr 1932
Bruder Heinz steht links
Ort: vermutlich vor der Schule













Kindertransport in die Niederlande:
30-03-1939 – von Köln nach Rotterdam
Der Transport wurde organisiert durch die „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“,
„Komitè jüdische Flüchtlingskinder“
Ziel: Quarantäne Beneden Heijplaat, Quarantainestraat 1, Rotterdam
Die Vermutung liegt nahe, dass die Geschwister Ernst und Heinz Hesdörffer gut 14 Tage hier untergebracht waren.
Anschließend wurden die Geschwister verlegt in das sogenannte Achterklooster.






Transportliste von Köln nach Rotterdam:



Quarantänelager „Achterklooster“
Hoogstraat 79, Rotterdam
Das sogenannte „Achterklooster“ ist auch unter der Anschrift „Achterklooster 79 in der Hoogstraat“ bekannt. Das gesamte Viertel wurde,
wie auch die komplette Innenstadt, durch die deutsche Wehrmacht am 14. Mai 1940 durch einen großangelegten Luftangriff völlig zerstört.
Das Achterklooster war eine jüdische Flüchtlingsunterkunft in der hauptsächlich deutsche Kinder unterkamen.
Ernst und Heinz blieben dort bis zum 20-04-1939.
Anschließend wurden sie ins Waisenhaus in Gouda gebracht.






Waisenhaus in Gouda:
40 jüdische Flüchtlingskinder wurden 1939 im Waisenhaus in Gouda, Spieringstraat , untergebracht.
Darunter waren auch Ernst und sein Bruder Heinz.
Ernst (13 Jahre) feierte seine Bar-Mizwa und erlangte damit alle Rechte und Pflichten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft.
Er blieb dort bis zum 30-10-1939. Ab diesem Zeitpunkt gingen die Geschwister getrennte Wege.
Sein älterer Bruder Heinz ging im Dezember nach Amsterdam.











Im ehemaligen Waisenhaus in Gouda befindet sich heute das luxuriöse Boutique-Hotel „Relais & Châteaux Weeshuis Gouda“





Dordrecht:
Levensverzekeringstraat 22 (heute Rozenhof 22), p/a Barend Katan.
Ernst wird als Pflegekind bei Familie Katan aufgenommen.





Barend Joshua Katan (Rotterdam, 20. Januar 1905) war seit dem 1. Mai 1932 Rabbiner von Dordrecht.
Seine Frau war Rosa Katan-Duizend (Amsterdam, 9. Juli 1906). Das Ehepaar Katan hatte selbst 3 Kinder: Samuel (24. Dezember 1936), Joseph (6. März 1938) und Milkah (6. Mai 1940).

Ernst ging noch ein Jahr in Dordrecht zur Schule.

Danach konnte er als Elektriker bei der Firma Bakker arbeiten. Die Mutter von Heinz und Ernst wollte ebenfalls in die Niederlande nachkommen. Sie wollten dann gemeinsam auswandern.Geplant war USA, Kuba oder Palästina. Daraus wurde jedoch nichts, obwohl dienötigen Papiere am 06. Mai 1940 vorlagen. Am 10. Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in den Niederlanden ein. Die Mutter zog zu der Schwester ihresverstorbenen Mannes nach Fulda. Heinz und Ernst waren auf sich allein gestellt.

1942 sollte Ernst nach Deutschland als Arbeitskraft verlegt werden. Sein Bruder Heinz konnte dies jedoch durch Beziehungen, die er immer wieder aufbaute, verhindern.

24. und 25. Oktober 1942 (Wochenende), letztes persönliches Treffen von Ernst mit seinem Bruder Heinz in Arnhem.




Rabbi Barend Katan wurde am 4. November 1942 in Rotterdam von der Rotterdamer Polizei für die Sicherheitspolizei (Sipo) festgenommen und am selben Tag im Gewahrsamshaus auf dem Noordsingel eingesperrt.

Am 20. November 1942 Transport nach Westerbork, von wo aus er später nach Auschwitz deportiert wurde. Am 30. April 1943 wurde Rabi Katan ermordet.


Frau Katan war nun allein mit ihren 3 Kindern und bat Ernst, doch bei ihnen zu bleiben. Ernst arbeitete zu der Zeit in einem Kino. Dort wurde ihm ein Versteck angeboten. Aber Ernst blieb bei Familie Katan.

12. November 1942 (Donnerstag) wurde Ernst mit 12 weiteren Juden verhaftet und nach Amsterdam in die Hollandsche Schouwburg, das nationale Verteilzentrum, gebracht. Danach ging der Transport weiter nach Westerbork. Darunter waren auch Frau Katan und die 3 Kinder. Frau Katan ist mit ihren 3 Kindern direkt nach Auschwitz deportiert worden. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt noch in Westerbork, ebenso Ernst. Am 23. November 1942 wurde Frau Katan und ihre 3 Kinder in Auschwitz ermordet.

Westerbork:
Heinz versuchte mit seinen Beziehungen den Transport seines Bruders Ernst nach Auschwitz zu verhindern. Es ist ihm gelungen, dass Ernst als Elektriker in Westerbork hätte arbeiten können und er von der Transportliste hätte gestrichen werden sollen. Die Kartothek mit der Anweisung, Ernst von der Transportliste nach Auschwitz zu streichen, wurde fatalerweise nicht umgehend an entsprechende Stelle weitergeleitet. Ernst wird somit am 24.11.1942 nach Auschwitz deportiert.

Auschwitz:
28.02.1943 wurde Ernst in Auschwitz ermordet.